Namibia auf die harte Tour
Eine Reise
Reiseroute
Tag 1 Flug Zürich - Windhoek
Der Trip beginnt mit einem von Zürich über Frankfurt nach Windhoek – bequeme Sitze, nur das Essen lässt zu wünschen übrig. Dank Corona-Maskenpflicht wird der Flug zur Geduldsprobe, doch der Schlaf in den tollen Sitzen rettet die Nacht. In Windhoek angekommen, überrascht uns das : Für namibische Verhältnisse ist alles perfekt organisiert. Schon nach zwei Stunden stehen wir mit unserem Mietwagen von bereit, um Namibia zu erkunden. Wir übernachten im The Weinberg. In der Tiefgarage ist wunderbar Platz, um unseren Camper einzurichten.
Tag 2 Windhoek
Bevor es losgeht, gibt’s einen Stopp in der Maerua Mall. Das Angebot ist riesig und wir decken uns mit allem Nötigen ein. Im Hotel Am Weinberg warten bereits der vorbestellte Wein und tiefgekühltes, vakuumiertes Fleisch auf uns. Ein kühles Bier später geniessen wir unsere ersten Stunden in Namibia und lassen den Tag bei einem Gourmet-Dinner im "Stellenbosch" ausklingen – ein perfekter Start ins Abenteuer.
Tag 3-4 Fahrt zum Etosha NP
Die erste grosse Etappe führt uns 540 km nach Onguma The Fort. Die Fahrt ist sehr lange. Wir hätten besser eine Zwischennacht in der Waterberg Region einplanen sollen.
In Onguma The Fort angekommen, sind wir sprachlos: Ein mit marokkanisch-afrikanischem Flair. Der Sonnenuntergang auf dem Aussichtsdeck mit Blick auf das Wasserloch ist einfach umwerfend. Wir geniessen ein exzellentes Dinner und im Anschluss einen mit Blick auf die Wildnis.
Am folgenden Morgen erkunden wir den Osten des Etosha National Parks und besichtigen danach noch einige Lodges, welche sich in der Nähe befinden.
Tag 5 Der Süden der Etosha
Der Ostteil des Parks zeigt sich von seiner wilden Seite. Vor vier Wochen gab es einen , doch nach dem Regen spriesst schon wieder grünes Leben. Die Tiere sind überall – Springböcke, Zebras, Giraffen. Doch das wahre Highlight kommt am Abend: Sieben Nashörner am Wasserloch in Okaukuejo! Und dann, als es dunkel wird, jagen zwei Löwen eine Antilope direkt vor unseren Augen. Die Nacht wird zum unvergesslichen Spektakel.
Für dieses Spektakel müssen wir aber auch die Nacht auf dem Okaukuejo Campsite in Kauf nehmen. Die komplette Anlage in Okaukuejo ist in Zwischenzeit in einem erbärmlichen Zustand und bräuchte dringendst eine intensive Renovation. Wenn man abends nicht bis in alle Nacht hinein am Wasserloch sitzen möchte, um Wildtiere zu beobachten, empfehlen wir ausserhalb des Parks eine Übernachtungsmöglichkeit zu nutzen.
Tag 5 Der Westteil der Etosha
Am nächsten Tag geht’s weiter in den Westen zum Dolomite Camp. Unterwegs passieren wir unzählige Wasserlöcher, an denen Elefantenfamilien und sogar ein zu sehen sind. Das Dolomite Camp selbst ist staatlich, aber wir bekommen ein Upgrade auf eine Luxus-Suite mit eigenem Pool – bei 40 Grad Hitze ein Traum! Das Abendessen überrascht uns positiv und wir treffen Deutsche, die zum vierten Mal hier sind und schwärmen: „Noch nie war das Essen so gut!“
Tag 6 Fahrt zum Kunene
Die Fahrt nach Ruacana ist ein Wechselspiel aus Zivilisation und Wildnis. Wir lassen die Reifen auf 1,8 Bar runter, um die ruppigen Pisten besser zu meistern. Doch dann die Überraschung: Die „neue“ Strasse zur Kunene River Lodge ist eine von C 30 Meter breite, plattgewalzte Kiesstrasse. Alle Pflanzen bilden links und rechts einen hässlichen Wall. Die Wildnis weicht dem Fortschritt.
Doch auf dem Campingplatz der Kunene River Lodge entschädigt uns ein traumhaft grüner Garten für den verlorenen Abenteuercharme.
Tag 7 Epupa Falls
Am nächsten Tag geht’s weiter zu den Epupa Falls. Früher brauchte man einen ganzen Tag für die Strecke – heute schafft man es in vier Stunden. Der Campingplatz unter Palmen ist ein paradiesischer Ort. Der Aussichtspunkt auf der gegenüberliegenden Seite der Wasserfälle ist einfach spektakulär.
Tag 8 Van Zyl's Pass
Jetzt wird’s ernst: Die Zufahrt zum Van Zyls Pass ist eine der . Acht Stunden kämpfen wir uns durch Felsen, über Steinstufen und durch tiefsandige Passagen.
Doch die Belohnung ist unbeschreiblich: Ein mit Blick auf das 300 Meter tiefer gelegene Marienfluss-Tal. Wir lagern direkt am Abgrund und der Vollmond taucht die Landschaft in silbernes Licht. Ein Abend, der Gänsehaut beschert - für mich der schönste Campsite Namibias.
Van Zyl's Pass
Tag 9-11 Kaokoveld
Als erstes müssen wir die zwei Stellen runterfahren, welche ein Gefälle von fast 100% aufweisen. Wir durchqueren das Kaokoveld vom Kunene bis nach Purros. Eine Traumlandschaft aus Stein und rotem Sand. Es ist unglaublich, wie abwechslungsreich eine Steinwüste sein kann. Mitten im "Nichts" kommen uns Giraffenfamilien entgegen. Trotz Corona Restriktionen treffen wir in diesem abgelegen Gebiet auf eine deutsche Familie mit zwei Kleinkindern, welche mit einem Allrad Camper unterwegs sind.
In Purros wird es skurril: Unser Navi zeigt eine Tankstelle mitten in den Holzhütten an. Tatsächlich gibt es diese – aber der Tankwart holt erst Heu vom Kilometer entfernten Fluss für sein Rind. Während wir warten, versammelt sich eine Kinderschar um uns und wir verteilen ein paar Sugus. Die Stimmung ist perfekt. Als der Tankwart auftaucht, gibt es 60 Liter Diesel zu überteuertem Preis – aber das Erlebnis ist es wert!
Tag 12-13 Hoarusib / Hoanib
Wir fahren durch das Hoarusib-Tal, das überraschend grün ist. Doch die Überweidung durch Rinder hat viele der Wildtiere vertrieben. Trotzdem ist die Landschaft atemberaubend. Später erreichen wir den Hoanib. Hier gibt es Hunderte von Elefanten, Springböcken und Orix-Antilopen. Wir übernachten in der Wildnis.
Am nächsten Morgen wartet eine Löwin nur 100 Meter vom Zelt entfernt. Sie mustert mich, entscheidet sich aber, weiterzuziehen. Auf der anderen Seite des Camps turnt ein Elefantenbulle an einem Anabaum – ein unvergesslicher Start in den Tag. Wir geniessen den Tag mit Elefantensichtungen im Hoanib und übernachten abends auf dem Warmquelle Campingplatz. Ein Bad im Weiher mitten in der Wildnis ist ein willkommenes und erfrischendes Erlebnis.
Tag 14-15 Twyfelfontein
Via Palmwag fahren wir heute eine relativ ereignislose Strecke bis nach Twyfelfontein. Nachmittags erreichen wir das Mowani Mountain Camp. Eine schon etwas ältere Traumunterkunft mitten in der Steinwüste mit einzigartigen Aussichten. Die Sonnenuntergänge auf einem der riesigen Granitblöcke darf man sich nicht entgehen lassen. Beim Abendessen lassen wir uns nach der langen Campingzeit mit Freude verwöhnen. Ein wahrer Genuss.
Ein etwas ruhigerer Tag folgt, um die Felsmalereien und den versteinerten Wald zu erkunden.
Tag 16 Fahrt über den Land Cruiser Hill
Wir ahnen noch nicht, was uns bevorsteht. Unsere Fahrt führt uns auf alten Farmspuren Richtung Brandberg. Anfangs alles sehr entspannt, ist die Aussicht, welche sich einem dabei bietet, schlicht atemberaubend. Wir verlassen den normalen Pfad und fahren via Land Cruiser Hill zum Ugab River. Für unseren Land Cruiser eine extrem strapaziöse Fahrt. Die Strasse entpuppt sich als Trockenfluss, vollgespickt mit riesigen Steinen. Mein Beifahrer krallt sich an den Haltegriff, damit es ihn im Wageninnern nicht zu stark hin und her schleudert. Auch der Ugab entpuppt sich als Trockenfluss mit extremem Tiefsand - was will das Allradler Herz mehr. Leider hat weder mein Mitfahrer noch unser Zelt grosse Freude daran und beide zeigen abends einige Verschleisserscheinungen.
Tag 17 Messum Krater bis Spitzkoppe
Das nächste Highlight folgt sogleich: Wir fahren um den Brandberg herum und über einen alternativen Allrad-Trail via eine riesige Düne in den 23 km breiten Krater hinein. Der Krater gleicht einer Mondlandschaft. Wir finden im Messum River riesige Welwitschia Pflanzen, welche schon hunderte Jahre alt sind und nur von Nebeltropfen leben. Danach verlassen wir den Krater wieder, um noch rechtzeitig den Sonnenuntergang bei der Spitzkoppe erleben zu können.
Tag 18 Spitzkoppe nach Windhoek.
Nach einer letzten Nacht auf dem Campsite bei Spitzkoppe, inklusive einem der erstaunlichsten Sonnenuntergänge, reinigen wir das komplette Campingmaterial und machen uns auf den Weg nach Windhoek. Dort geben wir unseren arg gebrauchten Land Cruiser ab und werden zum Flughafen gebracht.
19 Ankunft in Zürich
Wir fliegen via Frankfurt zurück in die Schweiz. Etwas aufwendiger als in "normalen" Zeiten, aber absolut machbar.
Fazit
Diese Reise war weit mehr als eine klassische Rundfahrt – sie war ein echtes Abenteuer. Die aussergewöhnlichen Umstände während der Corona-Zeit, die beeindruckende Einsamkeit Namibias und die technisch anspruchsvollen Offroad-Passagen haben diese Tour zu einem einmaligen Erlebnis gemacht. Für Abenteuerlustige, die das Ursprüngliche suchen und Herausforderungen nicht scheuen, ist eine solche Reise unvergesslich. Für mich persönlich ein Highlight, das lange nachwirkt und definitiv Lust auf mehr gemacht hat.
Solche Touren sollten aber nur mit viel Allraderfahrung, tollem Material und einer sehr guten Vorbereitung in Angriff genommen werden.